Eid des Lebuser Bürgermeisters aus dem Jahr 1617

Kategorie
öffentliche Termine
Datum
29. Februar 2008 00:00

Traditionell zum zweiten Jahrestag trafen sich Ende Februar viele Interessierte im Museum Haus Lebuser Land, um Neues zur Lebuser Geschichte zu erfahren. Und es hat sich wirklich gelohnt! Denn das, was der
Historiker Prof. Dr. Klaus Vetter uns über die sozialen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts in und um Lebus berichtete, war selbst dem Chronisten der Stadt Lebus Herrn Manfred Hunger, so noch nicht bekannt. Lebus war bis zum Anfang des 19. Jh. eine Mediatstadt unter dem Domänenamt Lebus. Die Einwohner waren in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkte Untertanen und dem Amt zu Diensten und Abgaben verpflichtet.

Anhand von alten Unterlagen erfuhren wir etwas über die feudalen Belastungen der Lebuser Bürger. Als z.B. 1761 das Schenkendorfsche Korps wieder einmal durch Lebus kam, holten die Soldaten dem Ackerbürger Martin Schultze vier Pferde aus dem Stall und spannten sie vor die Kanonen. Nicht nur Militärvorspanndienste sondern eine Reihe anderer Arbeiten hatten die Bürger regelmäßig für den Landesherrn – natürlich unentgeltlich – zu verrichten.


                                                                                                         
Im Jahr 1624 lebten in Lebus etwa 472 Einwohner, hundert Jahre später 1730 waren es bereits 982 Einwohner. Der durchschnittliche Viehbestand je Lebuser Ackerbürger im 18. Jahrhundert ist übermittelt mit: 6-9 Pferde, 6-9 Ochsen, 6-7 Kühe, 4-6 Jungrinder und 8-12 Schweine. Schafe durften z.B. in Lebus nicht gehalten werden, da das Schäferrecht alleine den Ämtern zustand.
Um 1800 gab es in unserer Stadt insgesamt 59 Meisterbetriebe. Am zahlreichsten waren die Fischer (17), Leinenweber (12), Schneider (8), Bäcker (3), Schuhmacher (3) und  Hufschmiede (3) vertreten. Zu diesen Handwerksmeistern kamen noch 18 Gesellen und die Lehrlinge. Viele dieser Gewerbetreibenden konnten aber vom Geschäft alleine nicht leben, sondern sie mussten noch anderen Beschäftigungen nachgehen.
Ein Raunen ging durch den Raum, als der Wortlaut des Eides aus dem Jahr 1617 auf der Leinwand erschien, welchen die Lebuser und Seelower Bürgermeister auf dem Domänenamt Lebus bei ihrem Amtsantritt schwören mussten.
Zum Abschluss der Geschichtsreise übergab Herr Prof. Dr. Vetter dem Museum mehrere Unterlagen, darunter auch eine Namensliste, aller Lebuser Einwohner von 1838. Diese Unterlagen werden nun von der Arbeitsgruppe „Chronik der Stadt Lebus" aufgearbeitet und damit ist wieder eine Lücke unserer wechselvollen Geschichte geschlossen.
Dieser niveauvolle und interessante Abend bleibt allen Anwesenden in guter Erinnerung.

Astrid Gericke
Geschäftsführerin

 
 

Alle Daten

  • 29. Februar 2008 00:00

Powered by iCagenda