Lebuser Sprachgeschichte und Lautwandel

Kategorie
öffentliche Termine
Datum
26. September 2008 00:00

Am 26.September konnten wir in unserem Museum Haus Lebuser Land Herrn Dr. Joachim Wiese, den Herausgeber des Berlin-Brandenburgischen Wörterbuches, begrüßen. Er hat sich intensiv mit den Mundarten unserer Region, wie sie einst gesprochen wurden und heute fast ausgestorben sind, beschäftigt. Während in Nordbrandenburg noch vielerorts das "Platt" gepflegt wird, gibt es das "Lebuser Platt" im allgemeinen Sprachgebrauch heute nicht mehr.
Vorneweg genommen, der Abend war alles andere als langweilig - sehr oft wurde geschmunzelt. Und es stellte sich heraus, dass viele "alte" Wörter durchaus auch noch heute bei Lebuser Familien gesprochen und verstanden werden. Die Sprachgeschichte des Landes Lebus und der näheren Umgebung beginnt im 13. Jahrhundert. Zunächst gehörte Lebus zum niederdeutschen Sprachraum. Aus dieser Zeit stammen die Wörter Appel für Apfel, Karpe für Karpfen, Nap für Napf, Woater für Wasser, Katte für Katze, moaken für machen und ick für ich. Innerhalb der niederdeutschen Mundarten gehört das Lebusische zu den mittelmärkischen Mundarten und steht im Zusammenhang mit dem Fläming und dem Teltow. Kennzeichnend sind die Diphthonge in moaken "machen", Kuo "Kuh", Kueken "Kuchen", Bri-ef "Brief" oder Bi-ene "Biene".
Diese Lautformen begannen schon im 19.Jh. zu schwinden. Typisch war der Ausfall von altem -w- und -g- zwischen Vokalen in Wörtern wie Aan "Ofen", Schnaal "Schnabel", Naal "Nagel", Vaal "Vogel". Diese Lautformen wurden zunehmend nicht mehr verstanden und trugen zum Verfall der Mundart bei. Südliche Einflüsse zeigen alte Formen wie hingen "hinten", bingen "binden" und Enge "Ende" sowie e für ö in bese "böse", kepen "kaufen" und ie für ü in Schiene "Scheune" und Liede "Leute" für altes plattdeutsches Schüne und Lüde. Bis in die 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts kannte man in Lebus noch alte Begriffe wie Päde "Quecke", Else "Erle", Mol "Maulwurf", Pieraas "Regenwurm", Anke "Ableger", Lemmer
"Messerklinge", Maline "Himbeere", Kaliete "Kiepe", Räne für das Ufer und Schumpe "Kinderschaukel". Speziell Lebusisch sind Worte wie Knullen für "Kartoffeln" und Kroche für "Krähe" sowie die Lautformen äär "über" und Sinnond "Sonnabend".

Herr Dr. Joachim Wiese hat natürlich auch den Übergang vom Niederdeutschen zur hochdeutschen Sprache erklärt. Aus dem Jahre 1425 ist für Frankfurt (Oder) ein Ratsherrenbeschluss überliefert - und zwar in hochdeutscher Sprache. Beeinflusst wurde der Zerfall der "alten Sprache" natürlich auch durch die zunehmende Mobilität z.B. der Handwerker. Damit auch andere Handelspartner sie verstehen, wurden sie gezwungen, ihre Sprache an das Hochdeutsche anzupassen.
Wozu ist heute eigentlich die Sprachentwicklung noch wichtig? Vor allem interessieren sich Menschen, welche Namenkunde, Familienforschung und auch Siedlungsforschung betreiben für diese Entwicklung. Ein sehr großer Teil unseres Wortschatzes ist uns in Dokumenten, Mundarttexten und durch Fragebögen des Brandenburg-Berlinischen Wörterbuchs überliefert worden. Natürlich diskutierten wir zum Schluss auch noch über den Einfluss der modernen Medien auf unsere heutige Sprache - wer kennt schon das Ende dieser Entwicklung?

Astrid Gericke
Geschäftsführerin Heimatverein Lebus e.V.

 
 

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  • 26. September 2008 00:00

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